»er ist ein lichtbildner im besten, althergebrachten sinne: jakob kupfer verdichtet in seiner serie »lichtbilder« diffuse farb- und lichtreflexe zu kunstvollen reflexionen. kupfer bildet keine dinge ab, er lässt das licht selbst, das die dinge auf uns werfen, neue welten malen. das objekt wird dabei im wortsinn ausgeblendet. kupfers lichtbilder rücken das objekt aus dem brennpunkt und verschieben damit den fokus vom spielerischen miteinander, von der klassischen fotografischen affäre zwischen modell und fotograf auf das viel offenere und ältere spiel zwischen fotograf und betrachter.
kunst entsteht dabei – als trotze sie dem doch so technischen medium fotografie – aus dem uralten, geheimnisvollen, unvermittelten miteinander von schöpfer und betrachter. kupfers bilder bleiben wertlose farbschlieren, solange sie niemand ins auge fasst. was ein stück weit für jedes kunstwerk gilt, gilt für diese werke ohne jede einschränkung: erst im akt des betrachtens entsteht aus dem manifesten farbbogen echte kunst. das macht kupfers lichtbilder weniger zu klassischen fotos, denn zu regiebüchern künstlerischer interventionen. ein dauerticket zu immer neuen visuellen happenings.
an den ruhigen, weichen farb- und lichtspuren, die so sanft scheinen und doch von unbändiger kraft beseelt sind, gerinnt die vorstellungskraft, kristallisiert die fantasie zu imaginierten bildern, die mit der wirklichkeit auf dem papier nur gleichsam durch einen dünnen auslöserdraht verbunden sind.
kupfers lichtbilder verlangen ein aktives sehen, das wir längst verlernt zu haben meinten, und ihre betrachtung fordert gebieterisch jene muße, die wir uns sonst nur noch selten leisten. so zu schauen, sagt wenig über das abgebildete, viel aber über den schauenden. fast möchte man von einem therapeutischem sehen sprechen, die lichtbilder mit rorschach-tafeln vergleichen, würde sich tatsächlich jemand außer dem betrachter selbst für das ergebnis interessieren, seine wie auch immer geartete leistung deuten oder prüfen. doch nichts dergleichen ist der fall. die landschaften aus licht dienen sich der freude an fantasie und sinnlichkeit einzig als vehikel an. sie fordern nichts, und öffnen doch das tor zum widerhall sehr existentieller erfahrungen: geborgenheit, liebe, wehmut, sehnsucht, wünsche und ja, auch ängste leben in diesen lichtbildern auf – wie überall, wo wir uns auf neues terrain wagen.« w.harrington
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